Der Grenzgänger

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Klütz.13 ( 6)

38. Von Lübeck nach Klütze, Teil 6

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In der no-go-area von einst kann man sich jedenfalls gut bewegen. Man kann wandern, Fahrrad fahren und mit dem Auto parken. Man bezahlt, wenn man zum Strand will, aber als Gegenleistung wurde eine Infrastruktur aufgebaut. Holzwege führen zum Meer. Toiletten und Abfallbehälter sind vorhanden. Einmal mehr, einmal weniger. Das geschäftige Leben von Tourismus, Handel und Freiheit ist eingezogen. Und das ist gut so.

 

Ich habe den Ort relativ schnell verlassen und quartiere mich zur letzten Nacht in Klütz ein.

Vermutlich wäre ich nicht  nach Klütz gefahren, wenn ich nicht Maria kennengelernt hätte. Ich bilde mir ein, dass ich ihren Spuren folgen sollte. Ich war sogar versucht, ihre Mutter ausfindig zu machen, die ja noch hier leben müsste, aber dann habe ich mir dies verboten.

Die Region nennt sich Klützer Winkel. Er besteht aus kleinen Dorfkirchen, die zum Teil noch aus der Frühgotik stammen, imposanten Gutshäusern und dem grandiosen Schloß Bothmer und mit Reet gedeckten Bauernkaten.

Schon während der Jungsteinzeit und der Bronzezeit wurde um Klütz gesiedelt; seit dem 3. Jahrhundert waren es slawische Stämme und ab der Mitte des 12. Jahrhunderts deutsche Siedler. Vom 14. bis zum Anfang des 18. Jahrhunderts herrschten die Ritter von Plessen im Klützer Winkel bis dann Hans Caspar von Bothmer weite Teile des Klützer Winkels aufkaufte und schließlich einen Grundbesitz von etwa 7000 Hektar anhäufte: Der Herrscher von Klütz.
Die Ostsee Zeitung berichtet, dass die Schlossstadt Klütz etwas Einzigartiges zu bieten hat: den Klang der Glocken im Kirchturm von St. Marien. Die größte der riesigen Bronzeglocken in gut 45 Metern Höhe klingt in „d“, obwohl dies unüblich sei.

Das mag für den Fachmann eine Sensation sein. Ich kann mit dieser Tatsache wenig anfangen, mein Ohr noch weniger. Für das Auge jedenfalls ist die Backstein-Marien-Kirche weithin sichtbar. Sie ist das Wahrzeichen des Klützer Winkels.

Ist Maria hier in die Kirche gegangen, war sie gläubig? Wir haben nicht darüber gesprochen. Wahrscheinlich nicht, In der DDR wurde bekanntlich erfolgreich der Glaube ausgetrieben.

Stolz ist man in der Stadt auf das Uwe-Johnson-Literaturhaus. Es befindet sich in einem vierstöckigen früheren Bohnen- und Getreidespeicher aus dem Jahr 1890, der aufwändig saniert wurde. Zwei Stockwerke beherbergen eine Dauerausstellung zu Johnson. Das Ganze ist für mich reichlich unverständlich, weil Johnson in Klütz selbst nie gewesen ist. Experten sind lediglich der Auffassung, es handele sich bei den in seinen Büchern vorkommenden Ort Jerichow um Klütz. Und deswegen baut man ein teueres Museum?

Verstehe ich nicht.

Ob Maria die Werke von Johnson gelesen hat? Ich stelle fest, über wie wenig wichtige Dinge ich mich mit Maria unterhalten habe.

Der Ort selbst ist nett, die Innenstadt eben norddeutsch korrekt, auch etwas fantasielos. Und ich frage mich natürlich auch, wie man es hier aushalten kann. Ich könnte es nicht. Es mag anders sein, wenn man hier aufgewachsen ist. Ich erinnere mich, dass Maria nicht gerne nach Klütz zurückkommt. Sie bleibt lieber in Lübeck.

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