Der Grenzgänger

Von der Todeszone zum Lebensraum – - – - – - – - Eine innerdeutsche Spurensuche – - – - – - – - – - -

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Bemalte Geschichte, Teil 1

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In Grünewald gibt es den Teufelsberg, ein Monument der Geschichte.

Im 19. Jahrhundert beginnt die Emanzipation Berlins. Aus dem Residenzstädtchen wird eine Weltmetropole. Eine Folgeerscheinung ist, dass immer mehr Grüngebiete bebaut werden. Um den Grunewald vor diesem Schicksal zu schützen wird er 1915 durch den „Zweckverband Groß-Berlin“ aufgekauft. Ein „Dauerwaldvertrag“ bestimmt, dass das Waldgebiet nicht bebaut werden darf.

Das ändert sich mit den Nationalsozialisten. Sie erbauen 1937 den Bau einer „Hochschulstadt“ im nördlichen Grunewald. Gemeinsam mit dem Olympia-Gelände soll sie das westliche Tor zu Hitlers und Speers „Welthauptstadt Germania“ werden.
Die „Wehrtechnischen Fakultät“ ist jedoch der erste und einzige Bau dieser Planungen.

Das alte Berlin geht später im Bombenhagel der Alliierten unter und ist bei Kriegsende eine Trümmerwüste. Im Grunewald bleibt eine Nazi-Bauruine.

Die Blockade West-Berlins trennt die West-Stadt vom Umland ab. Wohin die Kriegstrümmer entsorgen? Man entschließt sich, die Bauruine der Wehrtechnischen Fakultät im Grunewald als Schuttabladeplatz zu nutzen.. Ab 1951 verschwindet die Nazi-Ruine unter 26 Millionen Kubikmetern Trümmerschutt der von den Nationalsozialisten zerstörten Stadt.
So entsteht ein ca. 115 Meter m hoher „Berg“. Er wird begrünt und soll einmal Sportstätte werden. Skipiste, Skisprungschanzen, Rodelbahnen vielleicht.

Die West-Alliierten, insbesondere die Amerikaner haben bessere Pläne. Ab den späten 1950 er Jahren entsteht auf dem Plateau des Teufelsberges eine streng geheime militärische Abhör-Anlage. 1963 gehen die ersten festen Gebäude dieser „Field Station Berlin“ in Betrieb. Was dort so geschieht, weiß man in Berlin nicht.

Am Ende des Kalten Krieges stellt man fest, dass bis zu 1500 Amerikaner und Briten vom Teufelsberg aus die feindliche Kommunikation bis tief in den Ostblock hinein belauschten.
Durch ihre Lage mitten in der DDR wird sie zur wahrscheinlich wichtigsten Anlage dieser Art für den Westen.

Nach dem Abzug der Alliierten ist der Berliner Senat Eigentümer der Field Station. Anfang der 1990 er Jahre sieht der in dem abgelegenen Gebäudekomplex vor allem einen Kostenfaktor. Deshalb wird dieses einzigartige Relikt des Kalten Krieges 1996 an die „Investorengemeinschaft Teufelsberg“ (IGTB) veräußert und damit privatisiert. Es wird wild geplant. Eine Siedlung mit Luxusapartments soll entstehen und ein Hotel. Aber die Finanzen passen nicht. . Aus der Traum. Die Baugenehmigung verfällt 2005. Der gesamte Teufelsberg ist nunmehr im Flächennutzungsplan als Wald ausgewiesen. Bauen wird dadurch unmöglich. So ist es bis heute.

Seit 2011 hat die Öffentlichkeit im Rahmen von Führungen die Möglichkeit das eigentlich gesperrte Gelände legal zu betreten.

Was sieht man? Ruinen, die Reste der Gebäude mit einer großen Portion letalem Charme. Künstler haben große Teile der Gebäude bemalt, besprayt, eine neue Identität geschaffen. So wird der Rundgang zu einem großartigen Erlebnis. Es ergeben sich abstrakte, farbensatte, rauschartige Szenarien und Bilder.

Diese habe ich noch einmal verfremdet. Die Sicht auf die Kunst erzwang dies. So wird aus DDR-Kalter Kriegs-Schutt, Kunst und wieder Neu-Kunst. Die Kunst setzt auf Kunst auf.

 

Tipp: Wenn man in Berlin ist, unbedingt besuchen. Die Bilder hier in Ruhe ansehen.

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