Der Grenzgänger

Von der Todeszone zum Lebensraum – - – - – - – - Eine innerdeutsche Spurensuche – - – - – - – - – - -

115.Schöningen.08

30 Von Hötensleben nach Helmstadt, Teil 1

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In Schöningen war auf dem Marktplatz das Stadtfest angesagt. Aber ich fand trotzdem schnell einen Parkplatz. Das Stadtfest ist nicht sonderlich bemerkenswert. Zwischen Schlossplatz und Marktplatz stehen Buden, Bänke und Tische und alle warten, so scheint es mir, auf das richtig große Geschäft. Es gibt sogar zwei Showbühnen mit aller Ausrüstung, die man so benötigt. Es kann aber immer nur auf einer Bühne Musik gemacht werden, weil man sonst zu einem musikalischen Klangkonflikt kommen könnte. Ich will sagen, man hätte auf eine Bühne gut und gern verzichten können. Aber die Stadtväter wollen eben glotzen und nicht kleckern. So häufig gibt es kein Stadtfest und die Attraktivität der attraktiven Stadt soll verbessert werden.

Man sollte mit geschlossenen Augen nach Schöningen fahren, denn man fährt durch ein geschundenes Land. Der Braunkohletageabbau hat das Land verunstaltet. Steht man an einer der Abbauareale, die bis an die Vororthäuser heranreichen, kann man ermessen wie schmerzhaft diese Art von Gewerbe für eine Region sein kann. Die Erde von Baggern durchwühlt, durchsucht nach ihren geologischen Schätzen, ausgenommen wie ein verendetes Tier und liegen gelassen. Das mag schon viele Jahre so gegangen sein und ich stelle fest, ob Ost oder West, es gibt anscheinend eine Notwendigkeit, der sich die Menschen beugen. Der Braunkohleabbau garantiert Arbeitsplätze, also wird er geschützt, gefördert, gehegt und gepflegt. Ob das alles volkswirtschaftlich sinnvoll ist, ob dies für die Region verträglich ist wird nicht untersucht. Erst thematisiert, wenn es eigentlich zu spät ist. Das Gewerbe expandiert und viele profitieren, so dass man irgendwann gar nicht mehr in der Lage ist, umzusteuern. Wohin man auch steuert, man fährt gegen eine Wand.

Aber die Subventionen laufen aus. Man muss sich etwas Neues überlegen. Regenerierung heißt das Stichwort. Was macht man aus der malträtierten Erde? Einen See. Dort kann man baden, mit Schiffchen fahren, die Sonne genießen und faulenzen. Und die Grundstücke in Seenähe steigen im Wert. Wieder tut sich eine Goldgrube auf.

Aber: Zwischen Nachterstedt und Schöningen sind es nur 70 Kilometer Entfernung. Dort gab es den Erdrutsch, einige Häuser wurden in den Schlund des Sees gerissen. Den See hat man wohl zwischenzeitlich abgeschrieben. In Schöningen glaubt man noch an den See. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Wie sicher ist der Boden? Wann wird sich das Erdreich rächen?

Schöningen hat hinter seinen Fassaden mit mancherlei Problemen zu kämpfen. Deswegen ist es gut, wenn man ein wunderbares Stadtfest feiern kann. Und auf dem Schlossplatz dreht sich ein Kettenkarussell und an den Buden soll das Bier fließen. Noch tröpfelt es eher.

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