Der Grenzgänger

Von der Todeszone zum Lebensraum – - – - – - – - Eine innerdeutsche Spurensuche – - – - – - – - – - -

126.Wittingen.04

31 Von Helmstedt nach Diesdorf, Teil 10

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Der Staat der DDR wollte viel über seine Bürger wissen. Dazu diente ein Netz an Spitzel und Denunzianten. Aber ist dies so außergewöhnlich? Erliegt nicht jeder Staat dem Versuch, seine Bürger so gläsern wie möglich zu erziehen. Gründe hierfür kennt der Staat viele, besonders den Schutz der Bürger vor den Bürgern. Die Erziehung seiner Bürger. Die Sorgfaltspflicht für die Bürger. Die Erkenntnis des Bürgers und über den Bürger. Und die Terroristenangst.

So ist es auch in der Bundesrepublik. Die Stichworte gehen von Datenabgleich bis Lauschangriff und NSA. Besonders tüchtig ist aber die englische Regierung. Sie hat ihr ganzes Land mit Videokameras fast flächendeckend ausgestattet und die Videokameras laufen und zeichnen alles auf, was im Land geschieht. Doch die meisten Videos werden gar nicht angesehen. Sie sind eben nicht so spannend wie ein Krimi. Da kam ein Unternehmen auf die Idee, die Bürger in das Geschäft einzubeziehen. Wer 18 Jahre alt ist und einen Internetzugang hat, kann sich die Livebilder von Überwachungskameras aus Läden der britischen Stadt Stratford-upon-Avon auf den Rechner spielen lassen. Für jede verdächtige Beobachtung gibt es Punkte. Wer genug davon gesammelt hat – also ausreichend Mitbürger denunziert – kann pro Monat 1000 Pfund gewinnen. Dass so ein System in der DDR nicht mehr angewendet werden kann ist schade. Die DDR verfügte nicht über so viele Videokameras. Aber es hätte ja einmal sein können. Und wir wissen, dass der englische Geheimdienst die Glasfaserleitungen anzapft und alle E-Mails mitliest, alles weiß, was auch deutsche Bürger heute denken.

Und nun frage ich mich: Was machen die Staaten, die Geheimdienste dieser Staaten mit all dem Wissen? Die DDR ging bankrott, obwohl die Stasi alles wusste. Den Engländern geht es auch nicht gerade rosig, obwohl der GCHQ alles weiß.

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