Der Grenzgänger

Von der Todeszone zum Lebensraum – - – - – - – - Eine innerdeutsche Spurensuche – - – - – - – - – - -

Cumlosen.13 (2)

34 Von Schnackenburg nach Lenzen, Teil 1

| Keine Kommentare

 

 

Es gibt morgens nur einen Tisch, um den alle Gäste sitzen und frühstücken. Ich mag dies nicht, aber ich muss mich fügen. Es bleibt mir nichts anderes übrig. Ich bin nicht der letzte an diesem Morgen und so sitze ich – „einfach aufrücken bitte“ – mittendrin in der Fahrradfahrerfamilie.

Das ist gut für die Unterhaltung. Alle reden über ihre Pläne für den heutigen Tag. Ich konzentriere mich lieber auf das Frühstück. Ich bin ohnehin nicht gesprächig. Zwei Münchner Radfahrer sitzen mit am Tisch, sie unterhalten die ganze Frühstücksrunde.

Zu meiner Verwunderung finde ich die Atmosphäre dann doch ganz nett.

Es gibt alles was das Herz begehrt. Wurst und Schinken und Käse und Eier und Marmelade und Müsli. Und alle reichen sich die Platten weiter. Sie reden über ihre Pläne, die nächste Etappe, tauschen Informationen über Quartiere aus.

Auch ich werde gefragt. „Und was machst Du heute auf dem Grenzweg?“ Ich überlege, ob die Frage ehrlich gemeint ist oder eher aus Höflichkeit gestellt wird. Ich antworte daher auch etwas unterkühlt. „Ich will nun sehen, was von der Grenze entlang der Elbe übrig geblieben ist.“

Schweigen daraufhin. Was soll man da auch antworten? Das genügt nun wegen der Höflichkeit.

Ich registriere bei einem Blick in die Runde eine junge Frau mit kurzem rötlichem Haar, die am Ende des Tisches sitzt – sie ist als letzte gekommen. Sie antwortet auf die Höflichkeitsfrage, sie sei bisher gewandert und nun eigentlich am Ende angelangt. Sie werde mit dem Zug zurückfahren. Höflichkeit Ende.

Bei solchen Gelegenheiten kann man das Phänomen der Außenseiter erleben. Hier stehen sportlich engagierte Menschen im Vordergrund, insbesondere Radfahrer. Sie teilen ihre Themen, ihre Ansichten, ihre Vorlieben. Sie helfen sich auch gegenseitig weiter. Dann ist da noch eine Wanderin. Sie ist ein halber Außenseiter. Mit mir kann niemand etwas anfangen. Daher nimmt man mich auch nur höflich zur Kenntnis. Ich akzeptiere das. Ich gebe zu, dass ich mir umgekehrt ein Fachgespräch mit Fahrradfahrern auch nicht wünsche. Natürlich würden mir ein paar intelligente Fragen einfallen. „Wie viele Kilometer schaffst Du am Tag? Ist das gegen den Wind?“ Wenn ich nicht so gut drauf bin, könnte ich auch fragen: „Hast Du eigentlich auch so ein e-bike?“ Dann ist das Gespräch meistens beendet.

 

Ich will in Schnackenburg keinen Freund fürs Leben finden. In einer halben Stunde werde ich zu ihnen allen keinen Kontakt mehr haben. Jeder wird seines Weges ziehen. Ich werde wieder ein bisschen in der Vergangenheit herumsuchen.

Kommentar verfassen

Pflichtfelder sind mit * markiert.