Der Grenzgänger

Von der Todeszone zum Lebensraum – - – - – - – - Eine innerdeutsche Spurensuche – - – - – - – - – - -

148.Wittenberge.09

34 Von Schnackenburg nach Lenzen, Teil 4

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Wir kommen nach Ferbitz, ebenfalls ein Runddorf. Und dann nach Lenzen.

Ich fahre zuerst mal vor zur Elbe. Dort steht ein Wachturm. Außen hat man eine Wendeltreppe angebracht, so dass man den Turm besteigen kann. So kann man sich wie ein Grenzer fühlen, die einst die Elbe und das Umland überblickten. Wir stehen auf der kleinen Plattform. Der Ausblick ist fantastisch. Man hat einen weiten Blick über die Elbe. Und ich kann manchmal nicht begreifen, dass es friedlich ist.

Unten steht ein Gedenkstein. Darauf steht: „Wir sind ein Volk. Die Elbe trennte von Cumlosen bis Boizenburg 40 Jahre das deutsche Volk“.

Mit einer Fähre kann man an dieser Stelle die Elbe überqueren. Drüben erhebt sich ein bewaldeter Höhenrücken und auf der Landkarte steht überdeutlich, dass es sich um die Schwedenschanze handelt, eine ehemalige slawische Wallanlage auf dem Höhbeck. Knapp 80 m ist die Kuppe hoch, und damit immerhin die höchste Erhebung im ganzen weiten Umkreis. So ist der Ort seit alters her sagenumwoben. “Hexenberg” und “Sonnenberg” sagt man zu ihm und daraus könnte man ableiten, dass der Berg schon in vorchristliche Zeit besiedelt war.

In vergangenen Zeiten konnte man vom Aussichtsturm Schwedenschanze weit in das mecklenburgische DDR-Land sehen.

 

Die Stadt Lenzen könnte durchaus begeistern, wenn man die Bauten renovieren würde. Sie entstand zu Beginn des 13 Jahrhunderts. Kirche und Markt bildeten den Stadtkern. Darum herum gab es den Schutz einer Stadtmauer mit zwei Stadttoren und einem Stadtgraben.

Die Sankt-Katharinen-Kirche ist auch heute noch der Mittelpunkt des Ortes.  Aus dem 14. Jahrhundert  stammen Teile des Langhauses mit kreuzförmigen Pfeilern. Aber weitgehend ist die heutige Kirche ein „Neubau“, der in der Zeit nach 1703, als eine Feuersbrunst den Ort heimsuchte, errichtet wurde. Die Kirche wirkt auf mich irgendwie preußisch korrekt, gerade, aufrecht, keine Kompromisse zulassend.

Aber das schönste Gebäude finde ich ist die Hauptwache mit dem Rathaus. Sie wurde nach dem Stadtbrand von 1703 vergrößert und zeitweilig als Markt genutzt. Eine Inschrifttafel an der Rathausfassade weist auf „Die Uhr mit dem einen Zeiger” hin. Sie gibt Auskunft darüber, dass im 18. Jahrhundert die Menschen mit einer Genauigkeit im Stundenmaß zufrieden waren. Wären wir auch damit zufrieden? Genügt uns die Genauigkeit von einer Stunde?

Maria sagt voller Nachdruck, dass ihr dies genüge.

Ansonsten gibt es noch schöne Fachwerkhäuser. Beeindruckend sind die Hausbalkeninschriften. Maria hätte sie übersehen, aber ich machte sie darauf aufmerksam. In der Kellerstraße und in der Neustadtstraße mit dem typischen Straßen-Häuser-Charakter der Ackerbürgerstadt sind die Inschriften über und neben den Toreinfahrten zu finden.

Ich lese vor: „Meine Hülfe kommet von Heren der Himmel und Erde gemacht hat. Wer Gott den Allerhöchsten traut der hat auf keinem Sand gebaut“ und an einer anderen Stelle „Ach Gott wie geht es immer zu, das die mich hassen, den ich nichts thu. Sie meinen ich sei gantz verdorben, so sollten sie vor sich selber nur sorgen.“

Maria ist ganz entsetzt. So glücklich haben die Menschen früher anscheinend auch nicht gelebt. Selbst nicht die Besitzer der Stadthäuser. Neben einem anderen Haus steht ein großes Plakat. Darauf steht in fetter, schwarzer Schrift: „Wer hier kackt wird angezeigt“. Gemeint sind Hunde. Und wer wird angezeigt?

Und wie gesagt, man müsste noch etwas renovieren.

 

Nun muss ich aber mal überlegen, an welchem Bahnhof ich Maria absetzen kann.

Sie sagt, das sei nicht so eilig. Bisher war es recht interessant. Sie hat noch etwas Zeit.

So beschließen wir, hier zu übernachten, fragen in mehreren Pensionen, aber alles ist belegt. Es liegt an den Elbe-Radlern, die sich in den wenigen Pensionen einquartiert haben. Ich sehe uns schon unbequem im Auto übernachten.

So habe ich mir das nicht vorgestellt.

Jetzt besuchen wir noch die  Burg von Lenzen. Sie erhebt sich auf einer ehemals slawischen Befestigung. Der ca. 28 m hohe Burgturm ist der Rest der frühdeutschen Burganlage aus der Zeit um 1200. Im Jahre 1223 wurde der Dänenkönig Waldemar II. mit seinem Sohn hier als Gefangener festgehalten. Von 1421 bis 1482 saßen die Quitzows als Raubritter auf der Burg Lenzen und unternahmen, oft gemeinsam mit den Lenzener Bürgern, Raubzüge nach Mecklenburg und in die Altmark.

Durch Schenkung ging die Burg 1996 an den BUND, Landesverband Niedersachsen, der eine Besucherinformation eingerichtete. Und ein Hotel gibt es in der Burg. Und es sind gerade noch zwei Zimmer frei. Auch nicht zu teuer. Und alles neu renoviert.

Ich bin recht froh.

Wir besteigen den Burgturm und genießen den herrlichen Ausblick auf die Flusslandschaft zwischen Elbe und Löcknitz.
Später machen wir noch einen Spaziergang durch die wunderbare Parkanlage.

Das Restaurant im Schloss hat nicht geöffnet, aber wir finden in der Stadt ein anderes Restaurant. Auf der Straße ist niemand unterwegs und im Restaurant ist nur der Stammtisch belegt.

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